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Foto: Noemi Stadler-Kaulich
Foto: Noemi Stadler-Kaulich

Die Reise in den Regenwald – ein Bericht

Von 2007 bis 2014 unterstützte Naturefund den Schutz von Regenwald im Nationalpark Patuca. LA’BiO! unterstützte uns dabei und zusammen mit vielen anderen pflanzten wir mehr als 100.000 Bäume. Im Oktober 2015 besuchte Noemi Stadler-Kaulich, eine Mitarbeiterin von Naturefund, unser ehemaliges Projekt. Wir wollten wissen, wie die Bäume wachsen und ob wir die Menschen und die Natur weiterhin unterstützen können. Noemi erzählt:

Von Stromschnellen und Maultieren
Wir stehen an einem steilen Hang im Halbschatten von Urwaldriesen inmitten von tropischen Obstgehölzen. In der Nähe kreischen Affen, Vögel zwitschern, Insekten schwirren. Wir befinden uns in einem noch relativ intakten Ökosystem im Nationalpark Patuka in Osthonduras. Die Anreise von der Hauptstadt Tegucigalpa dauert rund anderthalb Tage. Der letzte Teil der Strecke ist der gefährlichste.

In einem Einbaum mit einem kleinen Außenbordmotor geht es mehrere Stunden flussabwärts und dabei auch durch den „Portales“, eine Stromschnelle mit gigantischen Steinen. An den Rückweg, wenn diese Engstelle gegen den Strom überwunden werden muss, denke ich jetzt lieber nicht.

Wo es keinen Wasserweg gibt muss man zu Fuß weitermarschieren. Oder an ein Maultier geklammert die steilen, rutschigen Berghänge überwinden. Die zahlreichen Bäche überwindet man trockenen Fußes nur über schwankende Rundbalken, die quer darüber liegen.

Leben mit den Kleinbauernfamilien
Seit mehreren Tagen bin ich nun bei den Kleinbauern und wohne bei einer der Familien. Morgens beginnt das Leben auf dem Hof mit Tagesanbruch, wenn man gerade was erkennen kann. Denn es gibt hier kein Stromnetz. Dann ist es auch noch schön kühl.

Die Bauersfrau bereitet schon Frühstück ein deftiges Mahl aus Tortillas (Maisfladen), Bohnen, Reis und ein Stückchen Frischkäse. Wenn die Hühner fleißig waren gibt es auch etwas Rührei dazu. Eigentlich wird nur ein einziges Mal und zwar am Morgen gekocht. Das geschieht aus Zeitgründen, aber auch um Brennholz zu sparen und damit man ab 10:00 Uhr vormittags nicht noch wegen der Feuersglut im Herd schwitzen muss. Das heißt aber auch, dass es mittags und abends dasselbe wie zum Frühstück gibt und sich der Speiseplan die ganze Woche wiederholt.

In Haus und Hof und auf dem Feld stehen vielfältige Arbeiten an. Die Maiskörner für die Tortillas müssen jeden Tag eingeweicht, gekocht, gemahlen und zu dem Ausgangsbrei der Fladen verarbeitet werden. Fast jeden Tag gibt es Wäsche zu waschen, denn bei allen Arbeiten macht man sich umgehend schmutzig und wegen der Hitze rinnt einem auch beim schieren Nichtstun der Schweiß. Da die Häuser ohne Wasseranschluss sind, waschen die Frauen an eine Wasserstelle und bringen auf dem Rückweg dann das Trinkwasser mit.

Essen mit Papageien und Mücken
Am späten Nachmittag, wenn die Hitze ihren Höhepunkt erreicht hat, kommt es oft zu einer Entladung der Wolken, die sich am Himmel zusammengeballt haben und zu einer erfrischenden Abkühlung. Dann prasselt der Regen auf das Wellblechdach, dass man sich schier die Ohren zuhalten muss. Die Männer kommen tropfnass und hungrig heim, bringen Früchte oder Mais vom Acker mit. Bevor es dunkel wird, also gegen 17:00 Uhr, verteilt die Hausfrau das Abendessen.

Üblich ist es, dass sie einem den Teller volllädt und man sich damit irgendwo ein ruhiges Plätzchen zum Hinhocken sucht. Die Ruhe kann jedoch sehr plötzlich unterbrochen werden, weil sich ein halbzahmer Papagei fordernd auf den Tellerrand setzt.

Der essbare Wald wächst
Naturefund hat 2011 einigen Familien die Methode dynamischen Agroforst gezeigt. Das ist eine Aufforstungsmethode, mit der in kurzer Zeit wieder Wald entsteht, während die Menschen auf derselben Flächen ihre Produkte anbauen können. Es entstehen essbaren Wälder, die eine Fülle von Produkten liefern. Es braucht dazu vor allem Wissen und am Anfang Begleitung. Mittlerweile haben im Nationalpark Patuca gut 100 Bauernfamilien auf dynamischen Agroforst umgestellt.

Ich habe nicht alle Parzellen gesehen, doch die, die ich besuchte, sahen gut aus und lieferten Nahrung im Überfluss. Langsam wächst auf diesen Parzellen der Wald wieder und die Abholzung der letzten Regenwaldreste wurde deutlich eingedämmt. Die Menschen verstehen mehr, wie der Wald sie nähren kann und wie wichtig er für ihren Anbau ist.

Ich höre, dass es viele weitere Familien gibt, die auch essbare Wälder aufbauen wollen. Nur sind die Wege im Nationalpark Patuca weit und unwegsam. Sie erschweren eine Ausbreitung der Methode.

Ja, hier könnten LA’BiO! und Naturefund helfen.